| Allgäuer Zeitung Samstag, 20. November 1999 IM-Nr. 269 |
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| Schwingen in Formen und Farben | |
| Für Walserin Gertraud Müller sind Psychologie und Malerei gleichgewichtig und eine „Energieschaukel“ Von Rosemarie Schwesinger |
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| Dass die grandiose Landschaft des Oberallgäus und des Kleinwalsertals offensichtlich ein prächtiger Nährboden für musische Begabungen und kreative Entfaltung ist, beweist die große Anzahl von Künstlern unterschiedlichen Genres, die in dieser Region beheimatet sind oder waren und inzwischen grenzüberschreitende Anerkennung gefunden haben. Dass im Schatten der bereits Etablierten auch immer wieder - bislang weitgehend unentdeckte - Talente heranreifen, macht die Begegnung mit Gertraud Müller deutlich.
Die lichte Weite ihres Hauses - hoch droben zwischen Hirschegg und Ifen, der unbegrenzte Blick über sattgrüne, sanfthügelige Weiden auf die Berge im Hintergrund sind wie eine Analogie zum Wesen und Werk dieser Künstlerin. Pompöse Selbstdarstellung liegt ihr nicht - Gerti Müller ist eine Frau für den "zweiten Blick". So geschah alles, was ihr jetzt - neben der Familie - wichtig ist, sozusagen im zweiten Anlauf. Geboren 1949 in Bregenz, studierte sie nach der Matura an einem Musisch-Pädagogischen Gymnasium zunächst Pädagogik und unterrichtete einige Jahre Kunst (und andere Fächer) an der Hauptschule. Den Erziehungsurlaub nutzte Gertraud Müller zur persönlichen künstlerischen Weiterentwicklung. Arnulf Heimhofer, Edda Mally sowie die Professoren Seiss und Kraus wurden ihre Lehrmeister. Besuche verschiedener Sommerakademien (u. a. Kokoschka) ergänzten und vertieften diese "malerischen" Weichenstellungen. Darüber hinaus gab's noch einen anderen Interessens-Schwerpunkt im Leben dieser ungewöhnlichen Frau - die Pychologie, deren Studium sie sich an der Universität Innsbruck (mit Diplomabschluss) widmete. Inzwischen hat sie einen Lehrauftrag der Fachhochschule Innsbruck und leitet als selbstständige Psychologin Seminare zum Beispiel in Kommunikationsberatung und Psychologie. Dieser "Doppelsprung" zwischen Malerei und Psychologie ist für Gerti Müller eine gleichgewichtige "Energieschaukel". Trotz aller Emotionalität und bewusster Abstrahierung verlieren ihre Bilder nie den "goldenen Schnitt", dessen meisterliche Schulung sie gelehrt hat. Behutsam abstrahierter Naturalismus wie totale Abstraktion bleiben für die Künstlerin als Ausdrucksmittel wechselseitig gleichbedeutend. Sie strebt den Dialog, die Auseinandersetzung mit sich selbst wie mit dem jeweiligen Gegenüber an. Und sie ist - neben oder analog zur Psychologie - besessen von der Malerei als Ausdrucksmittel der Kommunikation. Jedes Bild muss - unmittelbar nach der Initialzündung, wenn's sich ergibt auch in nächtlichen "Sitzungen" - fertig werden. Die (verständnisvolle) Familie weiß ein Lied davon zu singen! Bisher hat Gerti Müller nur im kleinen Rahmen ausgestellt. Arnulf Heimhofer ist zu verdanken, dass dieses "schlummernde künstlerische Juwel" demnächst einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Im November sollen Gertraud Müllers Arbeiten in Sonthofen präsentiert werden. |
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